Rentenreform 2026 Podcast Gentlemen InVests

Rentenreform 2026: Was du jetzt wissen musst

Die Bundesregierung hat mit der Rentenreform 2026 eines der größten Eingriffe in das deutsche Rentensystem seit Jahrzehnten auf den Weg gebracht. Für Selbstständige, Freiberufler und Minijobber bedeutet das konkrete Veränderungen – viele davon sind noch nicht endgültig beschlossen, sorgen aber bereits jetzt für Unsicherheit. In der ersten Folge von Gentlemen InVests haben wir die wichtigsten Punkte analysiert und eingeordnet.


Was die Rentenreform 2026 wirklich plant – und was verschwiegen wird

Rentenniveau bei 70 % – der Haken steckt im Detail

Die Bundesregierung verspricht im Rahmen der Rentenreform 2026, das Rentenniveau bei 70 % des Nettogehalts zu halten oder sogar darauf anzuheben. Klingt gut. Ist aber nicht das, was es auf den ersten Blick scheint.

Das Problem: Diese 70 % sind der Wert nach Steuern. Wer in Rente geht, zahlt auf seine Rente Einkommensteuer. Das heißt: Das Rentenniveau müsste eigentlich bei rund 100 % des Nettoeinkommens liegen, damit nach Abzug der Steuern 70 % übrigbleiben. Ein echter Fortschritt sieht anders aus.

Rentenbeiträge steigen – zwei Prozent gehen an den Kapitalmarkt

Die Rentenbeiträge steigen um 2 Prozentpunkte – von 18,6 % auf 20,6 %. Das tut weh. Was aber positiv hervorzuheben ist: Diese zusätzlichen zwei Prozent sollen erstmals am Kapitalmarkt investiert werden – also tatsächlich für den Beitragszahler angespart.

Das ist ein Novum im deutschen Rentensystem, das bisher ausschließlich als Umlageverfahren funktioniert: Was du einzahlst, finanziert nicht deine eigene Rente – sondern die Rente der heutigen Rentner. Dass ein Teil jetzt in echte Kapitalanlagen fließt, ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

Rente ab 63 wird gestrichen

Wer 45 Beitragsjahre vorweisen konnte, durfte bisher ohne Abzüge mit 63 in Rente gehen. Diese Möglichkeit fällt weg. Zusätzlich soll das Rentenalter künftig flexibel an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt werden: Leben die Menschen länger, wird das Renteneintrittsalter entsprechend angehoben.


Rentenreform 2026: Selbstständige sollen in die gesetzliche Rente

Das Titanic-Problem

Das deutsche Rentensystem steckt strukturell in der Krise. Die Rentenkassen sind leer. Statt das System grundlegend zu reformieren, wird jetzt eine neue Gruppe zwangsverpflichtet: die Selbstständigen. Gerade für Selbstständige, die ihre Altersvorsorge bereits privat organisiert haben, ist das besonders problematisch. Das ist, als wolle man das Sinken der Titanic mit mehr Leuten an Bord lösen: Zwar können mehr Menschen mehr Wasser aus dem Schiff schaufeln – es sinkt aber trotzdem. Denn die Selbstständigen, die heute einzahlen, werden morgen selbst Leistungsempfänger.

Was das für Selbstständige mit 3.000 Euro bedeutet

Nicht jeder Selbstständige verdient 10.000 Euro im Monat. Stellen wir uns jemanden vor, der 3.000 Euro Monatsumsatz hat – nach Steuern, Betriebsausgaben und künftigen Rentenversicherungsbeiträgen (20,6 %) bleibt vielleicht 1.500 Euro netto. An dem Punkt stellt sich die berechtigte Frage, ob sich die Selbstständigkeit noch rechnet.

Opt-out für Bestandsselbstständige

Bestehende Selbstständige sollen sich von der Pflicht befreien lassen können. Für neue Selbstständige gilt die Pflicht. Was genau als „neu“ gilt, ist noch unklar – und das ist ein echter Schwachpunkt der Reform.


Minijobs: Der Sonderstatus soll wegfallen

Der steuerfreie Sonderstatus des Minijobs soll abgeschafft werden. Minijobber sollen künftig Sozialabgaben auf ihr Einkommen zahlen. Besonders betroffen wären Menschen, die einen Minijob als Nebenverdienst zum Hauptjob haben – bisher steuerfrei, künftig voll angerechnet. Für viele lohnt sich das dann schlicht nicht mehr.

Schüler sollen als einzige Gruppe ausgenommen bleiben. Was mit Rentnern ist, die sich etwas dazuverdienen, ist noch offen.


Die wichtigste Erkenntnis: Eigene Verantwortung übernehmen

Egal wie die Rentenreform 2026 im Detail aussieht – eines bleibt konstant: Die gesetzliche Rente reicht nicht. Das steht sogar in deiner jährlichen Renteninformation, wenn du genau hinschaust.

Unsere klare Empfehlung: Leg eigenes Geld zur Seite – ETF-Sparplan, Basisrente, private Rentenversicherung. Verlasse dich nicht allein auf die gesetzliche Rente. Sie ist bestenfalls ein Grundgerüst, kein Sicherheitsnetz. Und fang früh an – Zinseszins braucht Zeit.


Unser Fazit zur Rentenreform 2026

Es ist gut, dass endlich etwas passiert. Einige Punkte der Rentenreform 2026 – wie die Kapitalmarktinvestition der zusätzlichen zwei Prozent – gehen in die richtige Richtung. Was bleibt: zu viele offene Fragen, zu wenig Klarheit für die betroffenen Gruppen. Das System muss sich strukturell verändern – nicht nur mehr Passagiere an Bord nehmen.

Bist du selbst als Selbstständiger betroffen oder kennst jemanden mit einem Minijob? Schreib es in die Kommentare – wir planen eine zweite Folge, sobald das Gesetz endgültig beschlossen ist.