ETF Sparplan für Kind: Warum Finanztipps deiner Eltern schaden – und wie 200 € zu 1,2 Mio. werden
ETF Sparplan fürs Kind oder doch Sparbuch? Tim und Mark rechnen durch, was aus dem Kindergeld wirklich werden kann – und warum gut gemeinte Eltern-Finanztipps heute mehr schaden als nützen.
Jetzt reinhören: Spotify | Apple Podcasts
Was uns Eltern über Geld beigebracht haben
Knax-Sparbuch, Hausbank, „Aktien sind nur für Reiche“ – viele von uns sind mit genau diesen Botschaften aufgewachsen. Das kann jedoch teuer werden… Die Eltern meinen es gut: Sicherheit war das oberste Gebot. Und zu ihrer Zeit war das auch rational – Zinssätze waren höher, Aktien schwerer zugänglich, und das Internet gab es noch nicht.
Heute, im Jahr 2026, sieht die Welt anders aus. Trading-Apps, ETFs und Online-Broker haben Geldanlage revolutioniert. Wer seiner Generation die Tipps von vor 40 Jahren weitergibt, schadet mehr als er hilft.
Sparbuch fürs Kind – das schmerzt
Mark stellt immer wieder dieselbe Frage: „Du bekommst Kindergeld – was machst du damit?“ Die Antwort ist erschreckend häufig: Sparbuch. Für einen Finanzberater mit 14 Jahren Erfahrung ist das kaum auszuhalten. Nicht weil die Eltern böse wären – sondern weil sie das Beste wollen und dabei das Schlechtmögliche tun.
Was wäre aus 1.000 Euro in Amazon-Aktien geworden?
Tim wirft die Frage in den Raum: Was wäre passiert, wenn man Anfang der 2000er 1.000 Euro in Amazon oder Apple investiert und einfach gehalten hätte? Die Antwort ist bekannt: ein Vielfaches des Einsatzes. Aber auch ohne Einzelaktien gilt: Ein ETF Sparplan fürs Kind in einen breit gestreuten Index hätte über 25 Jahre aus bescheidenen Beträgen gigantische Summen gemacht.
Das Argument „Aktien sind unsicher“ zieht langfristig nicht. Korrekturen wie 2008 oder Corona sehen auf einem Langfristchart aus wie kleine Dellen. Die Treppe geht langfristig immer nach oben.
Das Telekom-Trauma und die German Angst
Nur rund 10 Prozent der Deutschen investieren überhaupt am Aktienmarkt – in den USA ist die Quote ein Vielfaches davon. Mitschuld hat das Telekom-Aktien-Desaster der späten 1990er. Die Ironie: Wer die Telekom-Aktie einfach gehalten hätte, sitzt heute auf Gewinnen. Zeit heilt oft Verluste, wenn man sie lässt.
ETF Sparplan fürs Kind: Die 1,2-Millionen-Rechnung
Mark hat nachgerechnet: Wer das Kindergeld (~200 Euro/Monat) von der Geburt an bis zum 25. Lebensjahr in einen ETF Sparplan investiert und den Vertrag beitragsfrei bis 67 weiterführt, landet bei rund 1,2 Millionen Euro. Einmalzahlungen von Großeltern zu Geburtstagen oder Weihnachten nicht mitgerechnet. Diese können flexibel dazu eingezahlt werden und die Summe nochmal drastisch erhören.
Das Kind kann solch einen Vertrag mit 18 Jahren einfach übernehmen und selbst weiterführen.
ETF im Versicherungsmantel: Steuervorteile nutzen
Ein ETF Sparplan im Versicherungsmantel kann steuerlich erheblich günstiger sein als ein klassisches Depot. Bis zu 50 Prozent der Erträge können unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei bleiben. Trotz der Kostenthematik kann der Versicherungsvertrag oft besser abschneiden.
Fazit: Gut gemeint ist nicht gut genug
Familientipps kommen aus gutem Herzen. Aber „trügerische Sicherheit“ macht nicht wohlhabend. Sparbuch, Tagesgeld, alte Lebensversicherungen – das sind Instrumente einer anderen Zeit. Wer das Kindergeld wirklich arbeiten lassen will, setzt heute auf eine ETF Altersvorsorge fürs Kind – möglichst früh, möglichst konsequent.
Passend dazu: Private Altersvorsorge: Warum die Rente allein nicht reicht
ETF Sparplan für Kinder: Die wichtigsten Optionen im Vergleich
| Depot-Typ | Für wen? | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Kinderdepot (eigener Name) | Kinder unter 18 | Steuerfreibetrag des Kindes (1.000 € p.a.) | Geld gehört dem Kind ab 18 |
| Elterndepot mit Sparplan | Eltern sparen für Kind | Flexible Verfügbarkeit, kein Kontrollverlust | Kein separater Steuerfreibetrag |
| Juniordepot (Depot-A-Kind) | Neugeborenere bis 18 | Depot im Namen des Kindes, voller Freibetrag | Depot geht automatisch über |
Rechenbeispiel: ETF Sparplan Kind – 200 € monatlich
| Szenario | Monatliche Rate | Laufzeit | Endkapital (7 % p.a.) |
|---|---|---|---|
| Start bei Geburt | 200 € | 18 Jahre | ~89.000 € |
| Start bei Geburt | 200 € | 25 Jahre | ~155.000 € |
| Start mit 5 Jahren | 200 € | 20 Jahre | ~104.000 € |
| Start bei Geburt | 50 € | 65 Jahre | ~1,2 Mio. € |
Häufige Fragen: ETF Sparplan für Kinder
Ab wann sollte ich einen ETF Sparplan für mein Kind starten?
So früh wie möglich – idealerweise ab Geburt. Der Zinseszinseffekt belohnt frühen Start exponentiell. Wer bei Geburt mit 50 € monatlich beginnt und bis 65 weiter spart (Rendite 7 %), kann auf über 1,2 Millionen Euro kommen. Wer mit 18 beginnt, braucht fast das Dreifache pro Monat für dasselbe Ergebnis. Früh starten ist der mächtigste Hebel.
Welcher ETF ist der beste für einen Kindersparplan?
Für einen ETF Sparplan Kind empfehlen sich breit diversifizierte, kosteneffiziente ETFs: MSCI World (developed markets, ca. 1.600 Unternehmen), MSCI ACWI (inkl. Emerging Markets), oder ein FTSE All-World. Kosten (TER) unter 0,25 % p.a. sind Standard. Thesaurierende Varianten (Erträge werden automatisch reinvestiert) sind für Langfrist-Sparpläne optimal, da kein manuelles Reinvestieren nötig ist.
Wie viel sollte ich monatlich in den ETF Sparplan Kind einzahlen?
Es gibt keine Mindest- oder Maximalgröße. Die meisten Broker ermöglichen Sparpläne ab 10–25 € monatlich. Realistisch für spürbare Ergebnisse: 50–200 € monatlich. Wichtiger als die Höhe ist die Kontinuität – ein monatlicher 50-€-Sparplan über 18 Jahre schlägt einen unregelmäßigen 200-€-Plan, der nach 3 Jahren einschläft.
Was passiert mit dem Kinderdepot, wenn das Kind 18 wird?
Das Depot geht automatisch in den alleinigen Besitz des Kindes über – die Eltern verlieren den Zugriff. Das ist rechtlich gewollt, kann aber überraschend sein. Wer flexibel bleiben will, sollte das Depot auf den eigenen Namen führen und das Geld dann zu einem selbst gewählten Zeitpunkt übergeben. Nachteil: kein separater Steuerfreibetrag des Kindes nutzbar.
Welche Fehler machen Eltern beim ETF Sparplan für Kinder?
Die häufigsten Fehler: (1) Sparbuch statt ETF – nach Inflation oft negative Realrendite. (2) Zu spät starten – jedes Jahr Verzögerung kostet zehntausende Euro Endkapital. (3) Zu früh stoppen – oft wird bei Börsenkorrekturen pausiert, genau dann wenn nachkaufen sinnvoll wäre. (4) Falsche Depot-Struktur – ohne steuerliche Optimierung (Freibetrag des Kindes) verschenkt man Rendite.
Über den Autor
Mark Kulpa – Versicherungsberater seit über 10 Jahren und spricht regelmäßig mit Eltern über langfristige Vermögensplanung für die nächste Generation. → Mehr über das Team
